StarTrek – Ökonomie: Ein Manifest

Veröffentlicht: 2. Januar 2014 in Die Welt ist alles, was der Fall ist
Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Postkapitalismus. 
Wer die Entwicklung in diesem Jahrtausend betrachtet, kommt nicht umhin, zwei Prozesse wahrzunehmen, die sich verhalten wie zwei Züge, die ungebremst aufeinander zu rasen:  Auf der einen Seite die demografische Entwicklung – in ihrer ausgeprägtesten Form bei uns in Deutschland, eine Entwicklung, die uns und alle anderen Europäer in eine turbulente, erratische Situation bringen wird. Denn niemand kann sagen, woher die gut ausgebildeten Fachkräfte kommen sollen, die die Qualität unserer Produkte und damit die Grundlage des Wohlstands garantieren können.
Auf der anderen Seite sehen wir eine technische Entwicklung, die in absehbarer Zeit die Zahl der mässig bis gar nicht qualifizierten Arbeitsplätze in die Nähe von Null drücken wird. Mit dieser Problemstellung muß dringend umgegangen werden. Perfiderweise aber sehen wir unsere Zeitgenossen aus der politischen Sphäre nicht nur ohne Antworten da stehen, sondern vielmehr – und ärger – ganz und gar unfähig, die nötigen Fragen zu stellen.
Nähern wir uns den Tatsachen im Detail: Google und Amazon kaufen reihenweise Roboter – Hersteller, Google neuerdings sogar welche, die für DARPA-Zwecke Militär-Maschinen bauen. Daneben hat Google noch das drittgrösste US-Taxiunternehemen erworben und nur naive Geister glauben daran, daß die im Ernst dauerhaft Taxifahrer beschäftigen würden. Gleichzeitig beginnt die Maker-Bewegung Fahrt aufzunehmen – so wie es die Open-Spource – Bewegung Anfang des Jahrtausends tat. Wir reden also – gerade mal im Jahr 2013 angekommen – über Roboter, autonome Fahrzeuge und dem Universum der   Dinge, beliebig und für jedermann  replizierbar durch 3D-Drucktechnik. Daraus folgt eine klar erkennbare Entwicklung:
  •   Roboter, die Lager einräumen können, können das auch in Verkaufsräumen.
  •    Supermarktkassen ohne Personal hat die METRO-Gruppe längst in im Einsatz
  •    Auf Taxis ohne Fahrer folgen Müllwagen ohne Fahrer
  •    Und selbstverständlich kann ein Robot, der Regale ausräumt, auch Mülltonnen aus der Einfahrt zum autonomen Müllwagen holen.
  •    Ersatzteile, Prototypen und  vieles andere mehr kann jeder herstellen, der einen 3D-Drucker hat
  •    Und der Nachbar, der schon einen 3D-Drucker hat, kann damit weitere 3D-Drucker drucken.
  •    Die NASA druckt Steine für Mondstationen, das MIT die Knorpelskelette  von Organen und maßgeschneiderte Krebsmedikamente
  •    So kann man diese Liste nahezu beliebig weiterspinnen – und dabei haben wir von Skyfarming und Aquaponik beispielsweise, noch gar nicht geredet.
Niemand kann im Angesicht dieser  – nein, nicht zukünftigen Entwicklung, viel mehr: Gegenwart ernsthaft von Vollbeschäftigung reden, vom Wert der Arbeit, oder  so wie SPD-Müntefering fordern: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Das ist die Litanei der Unbelehrbaren, die alle miteinander in ihrem politischen Elfenbeinturm hocken und die Entwicklungen in der wirklichen Welt weder verstehen noch nachvollziehen. Wer aber vollmundig „die Zukunft gestalten“ will, sollte in erkennbarer Weise die Gegenwart verstanden haben.
Ich behaupte von mir und von einer ganzen Mege Leute um mich herum aus gutem Grund, daß wir die Gegenwart, die wir ja auch aktiv mitgestalten, verstehen – oder doch zumindest erhebliche Teilausschnitte dieser Gegenwart. Mit etwas Glück ergibt sich daraus ein taugliches Gesamtbild.
Was in diesem Bild aber fehlt, ist eine Vorstellung davon, wie mit diesem neuen, neuerdings existierenden und nicht zu leugnendem technischen Unterbau eine Gesellschaft zu modellieren ist, die dem Anspruch gerecht wird, eine Gesellschaft von Freien und Gleichen zu sein. Es fehlt – kurz gesagt – ein Gesellschaftsmodell, das die Produktions- und Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts Rechnung trägt statt sie fahrlässig zu ignorieren.
Mein Vorschlag: Lasst uns das miteinander tun, in einer grossen, 2-tägigen Konferenz, anhand  eines Raumes, der groß genug ist, um Gewicht zu haben, aber dennoch überschaubar bleibt: Der dritten der grossen europäischen Metropolen (laut UNESCO-Stadtentwicklungsplan) nach London und Paris: Der Metropole Ruhr.
Lasst uns über Dinge reden, die wir schon auf dem Radar haben, wie das BGE, wie fahrscheinloser ÖPNV, wie unsere Bildungs- und Kulturpolitik. Lasst uns betrachten, welche – technischen – Entwicklungen wir unterstützenswert finden und gesellschaftspolitisch begleiten.
Lasst uns sehen, was wir nicht werden verhindern können und nach Wegen suchen, solche Entwicklungen für die Menschen hinnehmbar zu machen.
Und lasst uns all diese politischen Preziosen zu einem konsistenten Gesamtentwurf zusammenfügen, einem Entwurf, der eine funktionierende Gesellschaft erlaubt unter den Rahmenbedingungen exponentiellen technischen Fortschritts.
Genau so einen Entwurf nenne ich StarTrek – Ökonomie.
 Die Raumfrage lässt sich in Dortmund lösen. Über alles weitere müssen wir reden. Bald.
Zieldatum ab hier ist der September 2014.
Links:
Kommentare
  1. Oliver Grube sagt:

    Ich bin dabei. Da ich eher durch Zufall auf deinen Text gestoßen bin, würde ich mich freuen, zu gegebener Zeit von Dir zu hören. Denn genau deshalb bin ich Pirat.

  2. Yupp! Das Ende der unqualifizierten Jobs ist absehbar und hat schon vor vielen Jahren angefangen. Nur – was wird’s werden? Idiocracy, Judge Dredd oder wirklich Star Trek?

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