Wer sind die Urheber?

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011 in Die Welt ist alles, was der Fall ist

Auf http://www.cicero.de/salon/urheberrecht-kunst-piraten-kampf-um-digitale-brotkrumen/46086 war etwas zu lesen, was ich bestenfalls als industriefreundlichen  Rant wahrnehmen kann. Es wäre aber gern ein politischer Kommentar. Lest halt selbst.

Eine saubere Unterscheidung ist nicht zu viel verlangt von einem Journalisten, der als Profi wahrgenommen werden will. Offenkundig will das nicht jeder…
Wovon ist die Rede beim Urheberrecht? Um die Rechte von Autoren, Musikern, Regisseuren? Wer das glaubt, ist dumm, wer das glauben machen will, lügt. Aber der Reihe nach: Es finden downloads statt, von Musik, von Filmen, von Texten und jeweils aus unterschiedlichen Gründen.
Musik wird mittlerweile und in der Hauptsache, gegen Geld bei Apples iTune-Store geladen. Warum? Weil die die einzigen sind, die ein funktionierendes Geschäftsmodell haben. Das Umsonst-Modell von Napster, eMule & Co hat VOR iTunes schon deshalb funktioniert, weil es keine legalen Alternativen gab. Wenn ich aber meinen Pop-Kram für ein paar Euro ohne Mühen und legal kriege: Wozu dann der Aufwand…
Beim Film ist es komplizierter. Aber auch hier haben wir es – wie bei der Musik vor iTunes – mit dem Versagen einer Industrie und ihres Geschäftsmodells zu tun: Es gibt keinen einzigen legalen Streaming-Dienst im deutschsprachigen Raum. Denn seien Sie sicher: Niemand hat Lust, einen Film in 15 Einzelportionen aus dem Netz zu laden, wenn er das selbe Produkt legal für 2 Euro ansehen darf. Ja: Ansehen. Das genügt. Ich brauch keine 2000 Filme auf meiner Festplatte (auch wenn der Platz heutzutage da ist).
Was nun das geschriebene Wort angeht, so haben wir ein sehr deutsches Problem und das heisst: Buchpreisbindung. Niemand versteht, dass ein eBook, ohne Druckkosten, ohne Papier, ohne Versandkosten, einen Euro weniger kostet als das oldschool-Original. Niemand, bis auf die Betriebswirte der Verlage…
Wenn die Piratenpartei über Urheberrechte redet, dann redet sie über die Rechte der Künstler. Wenn in der Öffentlichkeit über Urheberrechte gesprochen wird, dann wird gelogen, dass sich die Balken biegen, denn dann ist in Wahrheit von Verwerterrechten die Rede, von den Rechten der Medienindustrie. Da sind sich die Herrschaften von der Dudelgeräuscheindustrie dann auch nicht zu schade für Knebelverträge, die es Sony, Warner, BMG & co erlauben, ihren Künstlern in die Abendkasse zu greifen. Ja, richtig gelesen: Wer bei diesen Herrschaften einen Plattenvertrag unterschreibt, tritt einen Teil seiner Konzerteinnahmen an sie ab.
Schützen wir die Urheber. Schützen wir die Künstler, nicht die Verlage. Der Kutschpferdeindustrie weint auch niemand mehr nach.

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